Und wieder haben wir ein Paradebeispiel für Clickbait aus der Kategorie Gesundheit: Der ominöse „führende Herzchirurg“, der einen angeblichen Wunder-Trick verrät, der „sofort“ wirkt.
Schauen wir uns nüchtern an, was an der Kombination aus Rote Bete und Wasser wirklich dran ist, wie sie auf die Blutgefäße wirkt und wo die typischen Übertreibungen liegen.
🩸 Was passiert wirklich im Körper? (Die Wissenschaft)
Hier steckt tatsächlich ein echter physiologischer Effekt dahinter, auch wenn er nicht „sofort“ in Sekunden wirkt und keinen Arztbesuch ersetzt:
- Reich an Anorganischem Nitrat: Rote Bete ist eines der nitratreichsten Gemüse überhaupt.
- Umwandlung zu Stickstoffmonoxid (NO): Wenn Sie Rote Bete essen oder deren Saft trinken, wandeln Bakterien in der Mundhöhle und Enzyme im Körper das Nitrat über Nitrit in Stickstoffmonoxid ($NO$) um.
- Gefäßerweiterung (Vasodilation): Stickstoffmonoxid signalisiert den glatten Muskelzellen in den Arterienwänden, sich zu entspannen. Dadurch weiten sich die Blutgefäße, der Strömungswiderstand sinkt und der Blutdruck geht messbar zurück.
Studien zeigen, dass die blutdrucksenkende Wirkung von Rote-Bete-Saft meist nach ca. 2 bis 3 Stunden ihren Höhepunkt erreicht und etwa 24 Stunden anhält.
🛑 Was an der Schlagzeile maßlos übertrieben ist
- „Spüren es sofort“: Eine Arterienverkalkung (Atherosklerose) oder jahrelanger Bluthochdruck verschwinden nicht durch ein Glas Rote-Bete-Wasser. Der gefäßerweiternde Effekt setzt nach einigen Stunden ein, ist aber eine temporäre Unterstützung und kein „Wundermittel“.
- Rote Bete ins Wasser geben? Wenn Sie einfach ein paar Scheiben rohe Rote Bete in ein Glas Wasser legen (wie Gurkenwasser), lösen sich nur sehr wenige Nährstoffe. Um von den Nitraten zu profitieren, sollten Sie Rote Bete frisch entsaften, pürieren, als ganzen Salat essen oder gekauften Muttersaft trinken.
💡 Wie Sie Rote Bete am besten für die Gefäßgesundheit nutzen
- Als Rote-Bete-Saft: Ca. 150–250 ml frischer oder bio-gepresster Rote-Bete-Saft am Tag reichen völlig aus, um die Gefäße mit ausreichend Nitrat zu versorgen.
- Mundspülung vermeiden: Da die Mundbakterien für die Umwandlung von Nitrat zu Nitrit unerlässlich sind, sollte man direkt nach dem Trinken von Rote-Bete-Saft keine scharfe, antibakterielle Mundspülung verwenden, da diese die nützlichen Bakterien abtötet.
- Ernährung als Ganzes: Rote Bete ist eine hervorragende Ergänzung für die Herz-Kreislauf-Gesundheit – am besten verpackt in eine ausgewogene mediterrane Ernährung mit viel Bewegung.
Hinweis: Wer zu Nierensteinen (Calciumoxalat) neigt, sollte Rote Bete wegen ihres hohen Oxalsäuregehalts nur in Maßen genießen.