Während die Blätter der Brennnessel vor allem für ihre entwässernde Wirkung bekannt sind, ist die Brennnesselwurzel (Urtica dioica radix) ein Spezialist für die unteren Harnwege und die Prostata. In der Naturheilkunde wird sie geschätzt, um den Harnfluss zu verbessern und die Restharnbildung zu reduzieren.
Hier erfahren Sie, wie Sie die Wurzel sicher und effektiv nutzen:
1. Wann ist die Einnahme sinnvoll?
Die Brennnesselwurzel wird primär bei folgenden Beschwerden eingesetzt:
- Beschwerden beim Wasserlassen: Wenn der Harnstrahl schwächer wird oder man nachts häufiger raus muss.
- Reizblase: Zur Beruhigung der Muskulatur der ableitenden Harnwege.
- Unterstützung der Prostata: Wissenschaftlich anerkannt ist die Anwendung bei leichter, gutartiger Prostatavergrößerung (Stadium I und II), um die Symptome zu lindern.
2. Die richtige Ernte und Vorbereitung
Falls Sie Brennnesseln auf Ihrem Grundstück haben, ist jetzt (im zeitigen Frühjahr) oder im späten Herbst die beste Zeit zum Graben:
- Ernte: Die Wurzeln tief ausgraben, gründlich mit einer Bürste unter fließendem Wasser reinigen.
- Trocknung: In kleine Stücke schneiden und an einem luftigen, schattigen Ort (oder bei maximal 40°C im Dörrgerät) vollständig trocknen lassen, bis sie “knackig” brechen.
3. Anwendung: Der Wurzel-Absud (Dekokt)
Da Wurzeln härter sind als Blätter, reicht einfaches Überbrühen meist nicht aus, um die Wirkstoffe (wie Phytosterine) zu lösen.
- Rezept: 1 gehäufter Teelöffel getrocknete, geschnittene Wurzel auf ca. 250 ml kaltes Wasser.
- Zubereitung: Die Wurzeln im Wasser ansetzen, zum Kochen bringen und ca. 10 Minuten sanft köcheln lassen. Danach abseihen.
- Dosierung: Über einen Zeitraum von mehreren Wochen täglich 2 bis 3 Tassen trinken.
4. Sicherheitshinweise und wichtige Fakten
- Keine Schrumpfung: Wichtig zu wissen ist, dass Brennnesselwurzel-Extrakt die Symptome lindert (den Harnfluss verbessert), aber eine vergrößerte Prostata nicht wieder schrumpfen lässt. Sie ersetzt also nicht den regelmäßigen Kontrollbesuch beim Urologen.
- Wechselwirkungen: Bei Herz- oder Niereninsuffizienz, die mit Wassereinlagerungen (Ödemen) einhergeht, sollte man auf entwässernde Kuren verzichten.
- Kombinations-Tipp: Die Wurzel wirkt besonders gut in Kombination mit Kürbiskernen oder Sägepalmen-Extrakt, um die hormonelle Balance im Urogenitaltrakt zu unterstützen.
Ein Tipp für den Garten
Die Reste aus dem Tee-Absud müssen nicht in den Müll. Da Brennnesselwurzeln reich an Kieselsäure und Mineralien sind, können sie direkt in den Kompost oder als Mulchschicht unter Starkzehrer wie Tomaten gegeben werden – das stärkt die Abwehrkräfte der Pflanzen von unten.